Mittwoch, 24. August 2016

Die Wahrheit zu schreiben

"Die Wahrheit lässt sich nur dann schreiben, wenn man davon ausgeht, dass das, was man schreibt, nie gelesen wird. Nicht von einer anderen Person, nicht einmal irgendwann später von einem selbst. Sonst fängt man an, sich selbst zu rechtfertigen. Man muss das Geschriebene als etwas sehen, was wie ein langes Tintengekritzel aus dem Zeigefinger der rechten Hand herausfließt; man muss sehen, wie die linke Hand es wieder ausradiert."
- Margaret Atwood, "Der blinde Mörder"

(Foto rechts von Larry D. Moore)


Ähnliches sagt Philip Roth in einem Interview:
"Wenn ich schreibe, bin ich jemand anderer, nicht länger ein Sohn, ein Bruder, ein Ehemann, ich kann nur noch Schriftsteller sein. Ich denke, dass die übliche Vorsicht und ehtische Bedenken fallen gelassen werden müssen, um eine Geschichte frei erzählen zu können."


Und kurz und knapp von John Niven:
"Du musst so schreiben, als ob deine Eltern tot wären."

Mittwoch, 10. August 2016

Ratschläge von Buch- und Cartoonfiguren

In dieser schönen Infografik finden sich 50 Weisheiten von Buch- und Cartoonfiguren (hauptsächlich) aus Kinderserien und -filmen.
Auch für Erwachsene geeignet.

Eine Auswahl:

"Schwimm einfach weiter."
- Dory (Findet Nemo)

"Das einzig Unmögliche ist Unmöglichkeit."
- Phineas

"Nur weil ich es nicht sehe, heißt das nicht, dass ich es nicht glaube."
- Jack Skellington (The Nightmare Before Christmas)

"Heute ist ein guter Tag, es zu versuchen."
- Quasimodo

"Über sich selbst zu lachen, heißt, sich selbst zu lieben."
- Micky Maus

Hier gibt es die vollständig Grafik in lesbarer Größe.

Dienstag, 9. August 2016

Aktion: Buch an Bord

Passend zur Ferienzeit gibt/gab es die Aktion "Buch an Bord" von der "Vorsicht Buch!" in Zusammenarbeit mit der Fluggesellschaft Condor.

Dabei holt man sich in den "Mitgliedsbuchhandlungen des Börsenvereins" einen Aufkleber, den man auf seinem Gepäck anbringt. Mit dieser Markierung erhält man dann für seinen Flug ein Kilo Freigepäck.
Die Aktion läuft allerdings nur noch bis Ende August und gilt nur auf bestimmten Flügen - trotzdem eine nette Sache.

Hier die offizielle Meldung und weitere Informationen (u.a. über ein paar Konditionen) bei Condor.

Freitag, 22. Juli 2016

Bücher als U-Bahn-Tickets

In Sao Paulo wurden zur Feier des Weltbuchtages im letzten Jahr Bücher verteilt, um das Lesen zu fördern. Diese speziellen Bücher kann man auch als U-Bahn-Tickets nutzen, dafür sind sie mit einem RFID-Chip ausgerüstet und können für zehn Freifahrten genutzt werden, danach kann man sie wieder aufladen und/oder an Bekannte weitergeben.

Es gab zehn verschiedene Titel, deren Cover, die sich an U-Bahn-Plänen orientieren (s. rechts), speziell gestaltet wurden, darunter Weltliteratur, Krimis und Comics:
  • Charles M. Schulz - Peanuts: Friendship. That’s What Friends Are For
  • Jim Davis - Garfield: Sorry
  • Pablo Neruda - Einhundert Liebessonette
  • F. Scott Fitzgerald - Der große Gatsby
  • Sunzi - Die Kunst des Krieges
  • Sir Arthur Conan Doyle - Sherlock Holmes: Der Hund von Baskerville
  • William Shakespeare - Hamlet
  • Agatha Christie - Murder Alley
  • Mauricio de Sousa - Chives In Trouble!
  • Mario Quintana - Quintana Pocket

Die Kampagne gewann drei Preise beim "Cannes Lions International Festival of Creativity" und war so erfolgreich, dass sie auf weitere Städte ausgedehnt wurde.



Donnerstag, 21. Juli 2016

Welche Autoren verdienen wie viel?

Im Mai erschien der neue "Author Earnings Report" mit ganz vielen Zahlen und mehr oder weniger bunten Diagrammen. Die Seite "Electric Literature" hat sich die Mühe gemacht, das alles in einen etwas übersichtlicheren Fließtext zu verwandeln.

Es gibt dabei allerdings einiges zu bedenken:
  • Die Zahlen basieren zum großen Teil auf Schätzungen, die durch einen Automatismus errechnet werden.
  • Die Datenquelle wird ausschließlich aus den Bestsellerlisten zusammengestellt, die man bei amazon einsehen kann (offizielle Verkaufszahlen für eBooks werden von amazon nicht genannt).
  • Ca. 50% der "traditionellen" Buchverkäufe, die nicht über amazon laufen, fehlen in der Aufstellung.
  • Bei der Berechnung des "Verdienstes" eines Autors wird nicht berücksichtigt, wie viel dieser für die Veröffentlichung (z.B. Lektorat, Covergestaltung, etc.) investiert hat.
  • Es gibt keine Möglichkeit zu erfassen, was "traditionelle" Autoren verdienen, da diese oft einen Vorschuss auf ihre Werke erhalten, während Self Publisher vom "Tagesgeschäft" leben.
Während ich mich wundere, wie man anhand dieser nicht gerade trivialen Unsicherheiten überhaupt noch verlässliche Zahlen erhalten will, ist die wenig überraschende Aussage des Berichts:
"Others will likely find it pretty depressing that in the entire industry of book publishing, where over a million books are published a year, a mere 2,500 authors can be found making median US wage."

Nun denn.


Wer sich die Aufstellungen im Einzelnen ansehen möchte, der sei auf die o.a. Links verwiesen, auch hier gibt es - mit dem Untertitel "The situation is probably worse than you think." - noch weitere Informationen.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Buchläden, X

Ein schöner kleiner Buch- (und CD-)Laden, über die Verwendung des Apostrophs sehen wir dabei einmal hinweg:


Utrecht, Vismarkt

Samstag, 9. Juli 2016

eBook-Preisaktionen: Verramschung und Ausverkauf?

"Immer ist Sonder-, Sommer- oder Wasweissich-Ausverkauf. Und dann bekommt man automatisch noch Rabatt, weil es gerade regnet oder Dienstag ist oder Tag der Gänsedaune oder so."

Das ist ein Zitat aus meinem Roman "Unmenschen", das zufällig zu dem Thema passt, das mich gerade umtreibt: Sonderangebote, Einführungspreise, Rabatte bei eBooks, speziell natürlich bei denen der Self Publisher (was trotz Buchpreisbindung erlaubt ist, wie ich vor kurzem hier noch beschrieben habe).

So omnipräsent wie die Preisaktionen sind auch die Artikel, die sich dagegen aussprechen, von Verramschung und vom Ausverkauf reden, von dem der Autoren, der Literatur oder sogar der Kunst an sich. Die Autoren würden ihr Werk unter Wert verkaufen und sich dabei gleich mit.
Zugegeben: Berichte über Autoren, die Geldbeträge oder Einladungen zu üppigen Mahlzeiten versprechen, wenn ein Blogger ihr Werk nur möglichst positiv bespricht, sind abschreckend genug und sollen hier nicht näher diskutiert werden. Wer einmal einen Verzweiflungsgrad dieser Art erreicht hat, sollte sich wahrscheinlich wirklich Gedanken darüber machen, ob er nicht vielleicht die Beschäftigung wechselt.

Aber Butter bei die Fische: Was ist denn der richtige Preis für ein eBook eines bis dato recht unbekannten Self Publishers? Welcher Betrag ist "gerechtfertigt", wo fängt der Ausverkauf an? Die Antwort ist an sich recht simpel, verlangt aber speziell vom Autoren einige vielleicht etwas schmerzhafte Einsichten.

Fakt 1: Niemand interessiert sich für dein Buch.
Natürlich ist gerade dein Buch besser als alle anderen, nur du bist der verkannte Autor von Weltrang, der nur noch nicht entdeckt wurde, nur du bist derjenige, der mit echtem Talent gesegnet ist ... Ok, geschenkt.
Tatsache: Es gibt einfach viel zu viele Bücher, und dass die Welt ausgerechnet auf deins gewartet hat, ist zwar immerhin möglich, aber sehr sehr unwahrscheinlich. Und wenn man sich einmal in die Rolle der Leser/Käufer versetzt: Würdest du ein Buch eines unbekannten Autors kaufen, der sein Buch selbst herausgibt und dafür einen Preis verlangt, der sich weit jenseits der Grenze dessen befindet, was man bei einem Fehlgriff noch als "verschmerzbar" bezeichnen würde?

Fakt 2: Eine realistische Vergütung für geleistete Arbeit am Buch gibt es nicht.
Wenn ich einmal zusammenrechnen würde, wie viele Stunden ich mit Schreiben, Korrigieren, Redigieren, Überarbeiten, wieder Korrigieren, erneutes Überarbeiten nach Korrektorat/Lektorat, dann noch mit der Arbeit am Cover, dem Veröffentlichen selbst, Vernetzung, Werbung, usw. usw. verbringe ... ich käme auf einen Stundenzahl, die sich niemals realistisch in einen Preis umrechnen ließe. Entweder ich müsste Zehntausende von Büchern zu einem extrem niedrigen oder sehr wenige zu einem unmoralisch hohen Preis verkaufen, um halbwegs auf meine Kosten zu kommen.

Fakt 3: Ein Buch auf dem Markt ist letztendlich auch nur ein Sack Kartoffeln.
So platt das klingt und so sehr sich der Verfasser schöngeistiger und tiefsinniger Werke auch dagegen wehren mag, aber so ist es nun mal: Verkauft wird, was sich verkauft. Und wenn gerade niemand Kartoffeln kaufen möchte, bleibt man halt drauf sitzen - es sei denn, man kann mit einem so niedrigen Preis locken, dass vielleicht auch einmal jemand den Erdapfel probiert, den er gerade nicht braucht oder der unter Umständen sonst nicht auf seinem Speiseplan steht.


Fazit: Wer sein Buch nicht nur zu Hause in der Schublade liegen oder zwei, drei Exemplare für seine Familie drucken lassen will, muss sich mit dem Markt auseinandersetzen. Und dabei gilt es, seinen Stolz, die Kunst und seine Mission zur Rettung der Welt für einen Moment zu vergessen und sich mit den Gegebenheiten eben dieses Marktes zu beschäftigen. Und wenn jeden Tag gefühlte 2000 neue Bücher auf dem (Selfpublisher-)Markt erscheinen, muss die zentrale Frage vielleicht ganz anders gestellt werden:
Verschwende ich mein Buch nicht vielleicht nicht viel eher, wenn ich es zu einem so hohen Preis anbiete, so dass es dann niemand liest??


Daher: "Unmenschen" für kurze Zeit für 0,99€! :)

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